Stickmuster

Viele haben das Sticken noch in der Schule gelernt, andere haben es sich selbst beigebracht. Für manche ist das Sticken auch zu einem schönen Hobby geworden. Da es unendlich viele Stickmuster gibt, wird diese besondere Handarbeit nie langweilig. Die vielen verschiedenen Stickmuster machen es möglich, Kleidung, Aufnäher und sogar ganze Bilder zu sticken. So zahlreich wie die Stickmuster sind auch die vielen unterschiedlichen Stiche und Farben des Garns. Sticken ist eine sehr alte Handarbeitstechnik, die bis heute einen besonderen Reiz hat.

Sticken und Stickmuster sind international, jedes Land hat ihre eigenen Muster und eine eigene Technik. Sich etwas intensiver mit dem Thema Sticken und Stickmuster zu beschäftigen, ist daher immer lohnenswert.

Die Anfänge der Kleidung

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Die Geschichte des Stickens ist eng mit der Entwicklung der menschlichen Kleidung verknüpft. Historiker vermuten, dass es die ersten Kleidungsstücke zwischen 38.000 und 10.000 vor Christus gab. Zwischen 14.000 und 8.000 vor Christus vollzog sich jedoch ein tief greifender Wandel. Trugen die Menschen bis dahin Pelze und Leder, so kam in diesem Zeitraum zum ersten Mal Stoff ins Spiel, der zu einem Kleidungsstück genäht wurde. Die ältesten noch erhaltenen Stoffreste stammen aus dem Irak und Ägypten. Sie waren ein Teil der Kleidung, die um 6.000 vor Christus angefertigt wurde. Was diese Funde so erstaunlich macht, ist die Webtechnik, mit der die Stoffe entstanden sind.

Die erste bestickte Kleidung gab es vermutlich 5.000 vor Christus, sowohl in China als auch in Südamerika und in Ägypten. Auffällig dabei ist, dass die Kunst des Stickens weltweit in vielen Kulturen gepflegt wurde. Der Nachweis, dass die Kunst des Stickens ursprünglich nur aus einer bestimmten Region der Erde kommt, fehlt jedoch bis heute.

Schutz, nicht Mode

Als die Menschen begannen, ihren Körper mit Tierfellen und Leder zu verhüllen, taten sie es nicht, weil sie es schick fanden, sie wollen sich nur schützen. War die Kleidung am Anfang als Schutz vor der Witterung gedacht, so sollte sie später auch Dämonen fernhalten. Mit immer besserer Kleidung begannen die Menschen, ihre Haare zu frisieren und zu schmücken. Zugleich ließen sie sich tätowieren, um ihren Gegnern mit einer furchteinflößenden Kriegsbemalung entgegenzutreten. Später kam die Kleidung für bestimmte Anlässe dazu, wie das Brautkleid, das Taufkleid oder das Totenhemd. Kleidung hatte in ihrer langen Geschichte stets einen sozialen und zugleich kulturellen, ästhetischen und soziologischen Hintergrund.

Bestimmte Stickmuster und das Stickhandwerk selbst wurden zum Teil dieser Geschichte rund um die Kleidung.

Die Geschichte des Stickens

Es waren zuerst nur einfach geografische Stickmuster, die in China, in Ägypten und in Indien gestickt wurden. Später kamen noch figürliche Stickmuster dazu, zunächst von Tieren und später auch von Menschen. Diese Stickmuster waren auf der Kleidung und auf dekorativen Stoffen wie beispielsweise Vorhängen zu finden. Die Römer und später auch die Griechen übernahmen die Stickkunst aus Asien, aus Afrika, vor allem jedoch aus der assyrischen Kultur. Allerdings war reich bestickte Kleidung nur etwas für den Adel, die Tribune, die Konsuln und natürlich die Kaiser. Im 11. Jahrhundert gab es in der Welt der Stickerei einen gewaltigen Umbruch. Neben kunstvollen Stickereien waren es neue Stickmuster aus Arabien, die Europa im Sturm eroberten. Hier waren es wieder die Adligen und der Klerus, die sich diese aufwendigen und kunstvollen Stickereien leisten konnten. Aus dem Orient kamen wunderschön bestickte Stoffe nach Europa, die schnell als ein Zeichen von Wohlstand galten. Ein Beispiel sind hier die Krönungsmäntel der deutschen Herrscher, sie zeugen von einer einzigartigen Stickkunst auf höchstem Niveau.

Die Klöster übernahmen von den Arabern nicht nur die Kunst des Stickens, sondern auch viele anspruchsvolle Stickmuster. Im Mittelalter waren die Klosteranlagen und die Abteien auf das Besticken von liturgischen Gewändern spezialisiert. Beispiele für Stickkunst in Vollendung sind bis heute auch die in den Klöstern verwendeten Textilien, die sogenannten Paramente.

Ein exklusives Handwerk

Das Sticken als Handwerk im Mittelalter war vor allem mit einem sehr hohen zeitlichen Aufwand verbunden. Nur die wirklich reichen Klöster konnten es sich leisten, kunstvolle Stickereien anzufertigen, denn die Kosten waren enorm hoch. Die Handarbeit des Stickens hatte einen exklusiven Charakter und die Kleidung, die mit Stickereien versehen war, blieb nur der wohlhabenden Gesellschaftsschicht vorbehalten. Vor allem der Klerus schätzte außerhalb der kirchlichen Aufgaben prächtige, reich bestickte Gewänder. In vielen Adelsfamilien war es üblich, eine der Töchter schon als Kind in ein Kloster zu geben. Dort lernten sie bereits in der Kindheit die Erstellung von mit Stickereien verzierten Kleidungsstücken.

Im Mittelalter erreichte die Stickkunst einen ersten Höhepunkt, vor allem das Sticken von Gobelins kam in Mode. Das vielleicht imposanteste Werk der Stickkunst ist der weltberühmte Wandteppich von Bayeux. Dieses Meisterwerk erzählt von der Eroberung Englands durch die Normannen im Jahre 1066. Zu sehen sind 623 Menschen, 40 Schiffe, 202 Pferde, sowie 560 andere Tiere. 68 Meter lang ist der Teppich, der zum Weltdokumentenerbe der UNESCO gehört. Entstanden ist er wohl um das Jahr 1082 im Süden von England. Bis ins späte Mittelalter war der Teppich in der Kathedrale von Bayeux zu sehen. Fast hätte die Französische Revolution das Ende dieser einzigartigen Stickerei bedeutet. Ein aufmerksamer Bürger rettete den Teppich 1792 in letzter Sekunde davor, als Plane auf einem Wagen zu enden. Heute ist er wieder in der Kathedrale zu bewundern.

Das Sticken in der Neuzeit

Da die Menschen im Verlauf der Geschichte ein immer höheres Bildungsniveau erreicht haben, wurde das Sticken als Handarbeit immer beliebter. Einen sehr hohen Stellenwert hatte es in England und später auch in Burgund. Aber die Zeiten wurden schnelllebiger und das mühsame, langwierige Sticken von Wandteppichen oder Kleidungsstücken verlor mehr und mehr an Bedeutung. Allerdings galt das nicht für den privaten Bereich. Besonders zur Zeit des Biedermeiers, zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der bürgerlichen Revolution 1848, kam Sticken groß in Mode. Zu dieser Zeit stickten nicht nur die Frauen aus adeligen Familien, sondern auch zunehmend Frauen aus dem Bürgertum. Groß in Mode waren sogenannte Teegesellschaften sowie Familientreffen, wo Stickereien für das alltägliche Leben angefertigt wurden.

Bestickt wurden Ofenschirme und Bezüge für Stühle, Bilder und Kissenhüllen. Sticken wurde zu einer Freizeitbeschäftigung und war ein Hobby selbst für diejenigen, die nicht so viel Geld hatten. Stickereien anfertigen zu lassen, kam hingegen aus der Mode, denn dies war zu einem unerschwinglichen Luxus geworden.

Die unterschiedlichen Techniken

Im Laufe der Jahrtausende hat sich die Stickkunst immer weiter entwickelt. Neue Techniken und neue Stickmuster kamen dazu und machen das Sticken bis heute so abwechslungsreich.

  • Die Weißstickereien

Bekannt und seit Jahrhunderten beliebt ist die sogenannte Weißstickerei auf Leinen. Sie dient bis heute überwiegend der Verschönerung von Tischtextilien wie Tischtüchern und Servietten. Nicht weniger beliebt ist die Kreuzstichtechnik, die für meist grobe und mit Löchern versehene Webstoffe genutzt wird. Bei dieser recht einfachen Technik wird das Stickgarn kreuzweise auf dem Stoff angebracht.

  • Die Gobelin-Stickerei

Für besonders dekorative Kissenbezüge oder Wandteppiche wird immer noch der Gobelinstich genutzt. Bei dieser Technik verläuft der Faden stets in diagonaler Richtung, sodass ein halber Kreuzstich entsteht. Gestickt wird auf einem sogenannten Stramingewebe, das Garn selbst besteht aus reiner Schurwolle. Das Besondere an dieser Sticktechnik ist die Gleichmäßigkeit, wobei die Genauigkeit der halben Kreuzstiche über die Qualität der Arbeit entscheidet.

  • Die Ajour-Stickerei

Ganz anders sind Stickmuster, die nach der Ajour-Technik entstehen. Hierbei wird der Faden durch locker gewebte Leinen- und Baumwollfäden zusammengezogen. Dabei entsteht ein reizvolles Stickmuster oder Durchbruchmuster. Eine besonders dichte Form dieser Stickerei ist die weltberühmte „Dresdner Spitze“. Bei diesem Stickmuster kommen bei jedem Zentimeter 19 bis 48 Fäden zum Einsatz, bei einer normalen Ajour-Stickerei sind es „nur“ zwölf bis maximal 20 Fäden pro Zentimeter.

  • Die Richelieu-Stickerei

Ebenfalls eine außergewöhnliche Sticktechnik ist die „Richelieu-Stickerei“, die zur Weißstickerei gehört. Hier wird im Festonstich oder Schlingstich gearbeitet. Das Stickmuster entsteht, indem die Kantenlinien nach gestickt werden. Anschließend wird der Stoff sehr vorsichtig entlang der gestickten Linie weggeschnitten. Was bleibt, sind Ausschnitte, die dann das Stickmuster zeigen.

  • Die Buntstickerei

Bis heute gebräuchlich ist auch die Buntstickerei, die auf Seide, ebenso wie auf Leinen, Tuch oder Leder gut aussieht. Gestickt wird mit dem Gobelin-Stich, dem Kreuzstich oder dem Webstich. Für besonders zarte und feine Muster bietet sich der Petitpoint-Stich an. Werden Figuren mit buntem Garn gestickt, dann ist der Plattstich eine gute Wahl. Die Buntstickerei hat ihren Ursprung im Mittelalter und erreichte ihren Höhepunkt im 15. Jahrhundert. Berühmt sind die Goldstickereien auf burgundischen Gewändern, die heute in vielen Museen zu bewundern sind.

  • Die Hardanger-Stickerei

Die Hardanger-Stickerei ist eine klassische Durchbruchstickerei, die durch einen speziellen Doppeldurchbruch sehr attraktiv ist. Benannt nach einer Region in Norwegen, wird sie seit Jahrhunderten für das Besticken von Trachtenblusen und Trachtenschürzen verwendet. Ebenso werden Tischdecken für die festliche Tafel sowie Altartücher bis heute durch diese Sticktechnik verziert.

  • Die Sashiko-Stickerei

Auch in Japan wird gestickt, und zwar nach der textilen Verziertechnik, die sich Sashiko nennt. Gestickt wird mit einem sogenannten Vorstich und einem ganz besonderen Garn. Wer diese Technik gerne einmal ausprobieren möchte, kann auch normales Perlgarn verwenden. Sashiko hat sich aus einer Reparaturtechnik für beschädigte Kleidung entwickelt, gearbeitet wird mit einem weißen Faden auf einem blauen Grund oder umgekehrt. Bevorzugt bestickt werden Leinen- oder Baumwollstoffe, möglich ist zudem das Besticken von Seide. Bereits im Kindergarten lernen die Kleinen mit Schablonen die Kunst des Stäbchenstichs, denn übersetzt bedeutet Sashiko: Stäbchen.

Historische Stickmuster

Sticken ist nach wie vor eine beliebte Handarbeit, selbst in der heutigen, digitalen und schnelllebigen Zeit. Stoff zu besticken, bedeutet immer sehr konzentriert und penibel genau zu arbeiten. Das gilt besonders für historische Stickmuster, die wunderschön aussehen, aber auch aufwendig sind. Durch die historischen Stickmuster und Sticktechniken entstehen kleine Kunstwerke, vielfach auf Seide oder mit Seidenfäden gestickt. Viele dieser Stickmuster sind außerdem auf Gebrauchsgegenständen zu finden, wie beispielsweise auf Handtücher oder Kissenbezügen. Hier wird auf Baumwollstoffen und Leinen gestickt, das Stickgarn besteht dann aus Wollgarnen. Die schönsten historischen Stickmuster stammen aus Frankreich. Bestickt wurden Bänder und Tischdecken und fantasievolle Bilder, die die gute Stube zierten.

Die schönen floralen Stickmuster, Muster für verschnörkelte Buchstaben, Herzen und Sterne, für weihnachtliche Motive und mehr, sind bis heute beliebt. Selbst wenn diese historischen Stickmuster viel Arbeit erfordern, die Mühe lohnt sich auf jeden Fall.

Auf die Nadel kommt es an

Sticken ist eine schöne Handarbeit, die die Konzentration fördert und zugleich ein gutes Augenmaß verlangt. Was wird zum Sticken gebraucht, welches Zubehör ist für dieses Hobby notwendig? Das wichtigste Werkzeug ist die Sticknadel. Es gibt sie in fünf unterschiedlichen Modellen für die vielen unterschiedlichen Sticktechniken. Weit verbreitet ist die Sticknadel mit nur einer Spitze, die ihr Öhr am Schaft der Nadel hat. Zweispitzige Sticknadeln sind für die Handstickmaschine gedacht, hier befindet sich das Öhr in der Mitte der Nadel. Für Näh- und Stickmaschine ist die sogenannte öhrspitzige Nadel gedacht. Ansonsten gibt es noch Hakennadeln, die für Maschinen gedacht sind, die mit einem Kettstich arbeiten. Spezielle Nadeln gibt es außerdem noch für die reich verzierte Orientstickerei.

Welches Garn ist das Richtige?

Zum Sticken kommen viele unterschiedliche Garne zum Einsatz. Gerne verwendet wird heute sowohl das glänzende Perlgarn als auch der Sticktwist. Der Sticktwist hat sechs Fäden und lässt sich für besonders feine Stickereien zudem in dünnere Fäden aufteilen. Perlgarn hingegen lässt sich nicht teilen, dafür verleiht es durch seinen schönen Glanz vor allem Stickbildern eine besondere Note. Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele unterschiedliche Garne zum Sticken verwendet. Seidenfäden sind perfekt, um Kleidungsstücke zu veredeln, auch gezwirntes Seidengarn ist nach wie vor sehr beliebt. Effektgarne wie Chenille sind beispielsweise eine gute Wahl, wenn es darum geht, Handtaschen zu besticken. Baumwolle und Wollgarn erfreuen sich hingegen bei der Gobelin-Stickerei großer Beliebtheit.

So wichtig ist der Stickrahmen

Damit sich der Stoff beim Sticken nicht zusammenziehen kann, ist es eine gute Wahl, einen Stickrahmen zu verwenden. Der Rahmen verhindert zudem, dass sich das Stickmuster nicht verzerrt, zugleich wird der Stoff stramm gehalten. Für kleine Stickmuster reicht ein Rahmen mit zwei Ringen, zwischen die der Stoff gelegt wird. Bei schweren Stoffen oder einem großflächigen Stickmuster ist ein rechteckiger Rahmen sinnvoller.

Fazit

Stickmuster werden in der Regel auf Papier oder direkt auf den Stoff gedruckt. Die Stickmuster auf einer Papiervorlage gibt es als farbige Vorlage oder als Symbolvorlage. Stickmuster auf Mustertüchern wurden in früheren Zeiten von einer Generation zur nächsten weitervererbt. Noch heute sind diese Mustertücher sehr begehrt, denn sie sorgen dafür, dass historische Stickmuster nicht in Vergessenheit geraten.

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